Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

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Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von Solar » Do 26. Jul 2018, 10:19

Hallo Zusammen,

es gibt ja bereits einige Threads bzgl. Lüftungsanlagen und wie diese gerade im Sommer einzustellen bzw. zu betreiben sind, um das Raumklima (die Raumtemperatur) möglichst angenehm zu bekommen. Wir haben die LWZ 304 Trend und sind eigentlich sehr zufrieden. Momentan noch recht angenehme Temperaturen mit Hilfe von Sommerkassette (wobei es hier ja sehr unterschiedliche Meinungen gibt) und automatisierter Abschattung.
Bei bestimmten Raumtemperaturen und entsprechender Sonneneinstrahlung fahren je nach Sonnenstand (früh/mittag/abend) die Rollos entweder auf oder zu. Dazu kommt die zeitgesteuerte Einstellung der Lüftungsanlage, um tagsüber nicht unnötig warme Außenluft ins Haus zu saugen.
Seit einigen Tagen überlege ich, wie man die kühlen Kellerräume (ca. 18-19 Grad) dazu nutzen könnte, die Räume im EG und OG zu kühlen. Da hier einige immer wieder den Sinn der Sommerkassette in Frage stellen und darauf verweisen, dass man mit der Wärmetauscherkassette ja eigentlich auch die warme Außenluft mit der kühleren Raumluft "herunterkühlen" kann, kam mir folgender Gedanke:
könnte man nicht im Keller eine zusätzliche Abluftöffnung einbauen, durch die die ca. 19 Grad kalte Raumluft über den Wärmetauscher geleitet wird? Der (Kühl-)Effekt wäre doch wesentlich größer, wenn 19 Grad kalte Raumluft die momentan über 30 Grad warme Außenluft herunter kühlt. Die momentan durch den Wärmetauscher geleitete ca. 23-24 Grad warme Raumluft kühlt doch die Außentemperatur lange nicht so gut herunter. Oder mache ich hier einen Denkfehler?
Problematisch wäre allerdings die Tatsache, dass die Abluft aus EG und OG weiterhin durch den Wärmetauscher geleitet wird. Hier wäre es Ideal, wenn man die Abluft aus EG und OG "abschalten" bzw. die Abluftöffnungen abdecken könnte.
Wenn die ganze Sache funktionieren würde, wäre es eine Überlegung wert, die 19 Grad kalte Luft im Keller zusätzlich unter Einsatz einer Klimaanlagen noch weiter herunter zu kühlen. Der Kühleffekt im Wärmetauscher wäre dann noch effizienter.
Alternativ zu oben beschriebenem (z.B. wenn man ohne Keller gebaut hat): man stellt in einen Raum mit Abluftöffnung (z.B. im EG) eine Klimaanlage (optimal wäre hier natürlich ein Splitgerät).
Was haltet Ihr von dem Gedankengang? Machbar sicherlich schon, aber auch effektiv?

Ich bin gespannt auf Rückmeldungen.

Beste Grüße

BigNose82
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Re: Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von BigNose82 » Do 26. Jul 2018, 10:24

Ganz kurz und knapp, funktioniert nicht. Die warme Luft die in den Keller nachströmt, erhöht beim Abkühlen nochmal die rel. Feuchte, sodass schnell Kondensat entsteht und Schimmel folgt.

Außerdem reichen die paar Kubikmeter kühle Luft des Kellers nicht im Ansatz für einen merklichen Effekt im Haus
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Re: Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von Solar » Do 26. Jul 2018, 11:22

Oha, eine sehr schnelle Rückmeldung. :-)
Ok, wobei das bei der Alternative (Klimagerät im EG) dann eher nicht solche Auswirkungen hätte. Oder?
Wenn man jetzt allerdings zugrunde legt, dass man die Lüftungsanlage tagsüber laufen lässt (was aktuell bei uns nicht der Fall ist), würde man ja die bei der aktuellen Wetterlage in dieser Zeit (sagen wir mal von 11 bis 17 Uhr) eher trockene Luft ins Haus saugen, was ja nicht von Nachteil wäre. Oder?
Zur Zeit liegt die Luftfeuchtigkeit (außen) in dem genannten Zeitraum bei ca. 30 - 40 %. Wenn jetzt im Keller z.B. 50 % Luftfeuchtigkeit herscht, wäre der Effekt ja eher positiv. Oder irre ich mich da?

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Re: Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von Solar » Do 26. Jul 2018, 11:27

Nachtrag:
Was ich allerdings nicht so ganz verstehe: es wird doch in einigen anderen Threads darüber gesprochen, dass der "KÜHL"-Effekt mit Wärmetauscher besser wäre als mit Sommerkassette. Und das schon bei einer Raumtemperatur die im Normalbereich (sagen wir mal 23-24 Grad) liegt. Dann müsste der Effekt doch zumindest etwas größer sein, wenn man mit ca. 5 Grad geringerer Ablufttemperatur in den Wärmetauscher geht. Unabhängig von den genannten Problemen mit der Feuchtigkeit, also rein theoretisch betrachtet. Das Bier aus einem 6 Grad kalten Kühlschrank ist ja auch kälter als das Bier aus einem 12 Grad kalten Kühlschrank. :lol:

BigNose82
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Re: Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von BigNose82 » Do 26. Jul 2018, 11:42

Und nochmal etwas ausführlicher :-)

Probiere zu Beginn mal folgendes:
Öffne das am weitesten vom Kellerzugang zum EG entfernte Fenster auf Kipp und stelle den Zuluftvolumenstrom etwa 100 m³/h niedriger ein, als den Abluftstrom. Also z.B. 80/180.
Bei geschätzen 100-140 m³ Kellervolumen ist also nach einer guten Stunde die gesamte Kellerluft ins Haus gesaugt worden. Du wirst feststellen, dass es im Haus zwar nach Keller riecht, aber kühler ists wahrscheinlich nicht geworden :-) Wenn jetzt noch der WT dazwischen hängen würde, wäre zwar der Geruch nicht da, aber der Kühleffekt würde noch geringer.

Wenn du dann ein halbwegs genaues Hygrometer in den Keller platzierst, müsste die Luftfeuchtigkeit in den folgenden Stunden deutlich zu hoch werden.

Dann gehts an die Berechnung. Mit der spezifischen Wärmekapazität von Luft und den Temepraturdifferenzen, kannst du dir die im Kellerluftvolumen gespeicherte Energie resp. Kühlenergie ausrechnen -> nicht viel :-)

Hier hatte ich Anfang des Jahres schonmal mit ein paar Überschlagswerten für eine ähnliche Idee gerechnet
BigNose82 hat geschrieben:
Do 15. Feb 2018, 11:31
Luft hat eine spez. WK von ungefähr 1 kJ/(kg*K) und eine Dichte von ca. 1,2 kg/m³. Wenn man den Zuluftstrom um 10 K abkühlt und die Lüftung mit 200 m³/h läuft, ist die Kühlleistung also (überschlägig) 0,7 kW.

Wenn man weiter überschlägt, dass die Bude im Winter bei -10 °C mit gerade mal 2,7 kW(th) aus der LWZ (s. Kennlinie) bei einer Temperaturdifferenz von 32 K Innen/Außen auf Temperatur gehalten werden kann, dann sollten 0,7 kW(th) Kühlleistung für vielleicht 10-12 K Temperaturdifferenz zur AT ausreichen...
Die Idee war, einen taupunktgeregelten Verdampfer in das Zuluftrohr hinter dem WT zu hängen und so die Zuluft kontinuierlich bis knapp an die Taupunktgrenze abzukühlen. Bei den angenommenen 200 m³/h kann dann eine Kühlleistung von ca. 700 W übertragen werden, was bei 24/7 Betrieb schon zu einem Effekt führen wird.
Einen Kältebauer habe ich gefunden, der mir das ganze auch realisieren würde. Allerdings mit einer klassischen Kältemaschine (nix Drehzahlgeregelt) und ohne elektronisches Expansionsventil. Das macht die Taupunktregelung quasi unmöglich. So oder so würde die Anlage viel zu teuer im Vergleich zu einem Splitgerät von der Stange. Die Idee ist also ein für alle Mal gestorben...

Was aber für dich an Erkenntnis drin steckt: Alleine um 700 läppische Watt Leistung zu übertragen, sind schon ungefähr 200 m³/h Luft mit einer Differenz von 10 K nötig. Kontinuierlich. Das kann kein Keller dieser Welt liefern :-)

Die Inneneinheiten von Splitklimas wedeln tausende Kubikmeter pro Stunde durch und kühlen bis weit unter den Taupunkt, haben aber auch einen entsprechenden Abfluss.
Leider wird es dabei bleiben, dass eine Splitklima in Verbindung mit dem WT der Lüftungsanlage und kleinen Wechselraten die wirtschaftlichste Lösung ist. Aber auch die hässlichste :-)

Aktuell überlege ich eine Pana Etherea Z Inneneinheit in Verbindung mit einem CU-Z9SKE Verdichter ins Haus zu klöppeln :-)
Das Teil einen SEER von 8,5!!! und kann von 0,85 bis 4 kW modulieren. Damit sollte man die Bude kühl bekommen.
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Re: Kälterückgewinnung mit Lüftungsanlage

Beitrag von Solar » Do 26. Jul 2018, 12:07

Danke für die ausführlichen Infos.
Wie gesagt, das war nur ein Gedanke von mir, da dieses Thema immer wieder (nicht nur in diesem Forum) diskutiert wird. Ich persönlich komme mit der von mir angewandten Vorgehensweise (Sommerkassette, zeitlich vordefinierte Lüftung u. Abschattung) sehr gut zurecht und würde jetzt auch nicht wirklich viel invenstieren wollen, was die "Kühlung" betrifft, weil es in unseren Räumlichkeiten eben nicht so extrem warm wird. Wobei hier auch immer zu beachten ist, dass man dies individuell betrachtet. Der eine empfindet 24 Grad als zu warm, der andere empfindet es als ideal. Ähnlich verhält es sich mit der Luftfeuchtigkeit.

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