Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Alles rund um die Angebotsfindung. Warum FingerHaus.
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Stefffilicious
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Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Stefffilicious » Mi 28. Feb 2018, 12:29

Wir sind gerade ein bisschen in der Drangsituation uns zu überlegen, ob wir den Werkvertrag schonmal unterschreiben mit div. indiv. eingebauten Rücktrittsrechten um die Preiserhöhung zu sparen.

Nach x-Mal lesen, ein bisschen Googlen und Hinzuziehen von weiteren Meinungen stolpern wir irgendwie immer wieder über §15 - Gewährleistung. Das scheint mir alles etwas schwammig.
Nach BGB ist die Gewährleistung ja eigentlich klar geregelt... Hat sich FH hier eine "Hintertür" eingebaut...? Oder kann man selbst mit dem Vertrag das was im BGB steht gar nicht "aushebeln"? Dafür reicht mein rechtliches Wissen leider nicht... :oops:

So steht es ja im WV:
§ 15 Gewährleistung
1) Bei einem Mangel steht dem Kunden das Recht auf Nacherfüllung
zu. FingerHaus darf den Mangel nach eigener Wahl beseitigen oder
ein neues Gewerk liefern. Unberührt bleibt das Recht des Bauherrn,
die Vergütung zu mindern.
2) FingerHaus haftet nach den gesetzlichen Vorschriften für Schäden
aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit,
sowie für arglistiges Verhalten. Für sonstige Schäden haftet
FingerHaus nur bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Verhalten.
3) Weitere Gewährleistungsrechte stehen dem Bauherrn nicht zu.
4) FingerHaus weist den Bauherrn darauf hin, dass die Gewährleistung
nur für solche Mängel gilt, deren Ursache in der Errichtung
des Bauwerks begründet ist. Sie erstreckt sich daher nicht auf
normale Abnutzung, insbesondere nicht auf Teile und Anlagen, die
einem besonderen Verschleiß unterliegen. Es obliegt daher dem
Bauherrn, solche Bauteile und Anlagen durch laufendende Wartung
in einem ordentlichen Zustand zu halten. Dies gilt vor allem für die
Heizungsanlage, die vom Feuer berührten Teile, Oberfl ächenbeläge,
Sanitäreinrichtungen, Dachrinnen, Glasscheiben, Fugenmaterialien
sowie sämtliche bewegliche Teile, wie beispielsweise Türen- und
Fensterbeschläge sowie Rollläden. Auch Anstriche bedürfen der
regelmäßigen Erneuerung, wenn sie die erforderlichen Schutzwirkungen
beibehalten sollen; dies gilt vor allem für Außenanstriche.

Dieser Punkt 3) macht mir irgendwie Bauchschmerzen...

Könnt ihr mir dazu vielleicht ein wenig auf die Sprünge helfen...?

Kann man sich einen Passus a la "alles was im BGB steht hat trotzdem Bestand"...?

wosch87
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von wosch87 » Mi 28. Feb 2018, 12:50

Wenn ich mich richtig erinnere habe ich iwann mal gelernt, dass Verträge bzw. Teile davon, die gegen allgemein gültiges Recht, wie das BGB, verstoßen, nichtig sind. Anders gesagt ist es nicht möglich das BGB auszuhebeln.

Aber Achtung: gefährliches Halbwissen :D

Stefffilicious
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Stefffilicious » Mi 28. Feb 2018, 13:09

So in etwas geht mein Halbwissen auch. :|

...aber vielleicht hat ja noch jemand VOLLwissen :D
Zuletzt geändert von BigNose82 am Mi 28. Feb 2018, 13:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Überflüssiges Zitat entfernt

Fromschi
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Fromschi » Mi 28. Feb 2018, 13:30

Ich hab beruflich mit Öffentlichem Recht zu tun, Privatrecht liegt mir daher nicht - da muss ich bei solchen Detailfragen passen. ABER: Investiert doch einen kleineren dreistelligen Betrag um den Vertrag von einem Baurechtsanwalt oder zumindest einem Vertragsrechtler prüfen zu lassen. So wie manche externe Baugutachter bestellen bei Abnahmen, so kann man sich zu anfangs ja auch professionelle Hilfe beim Verträge lesen holen. Wir werden das so machen wenn´s soweit ist :) Die sind ja drauf geschult gerade so kleine Fallen zu finden :)

MarkL.
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von MarkL. » Mi 28. Feb 2018, 13:36

Verträge/Paragraphen die gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen kannste vergessen.
Hinzu kommt, Regelungen ja zur Not immernoch ne AGB Prüfung standhalten muss, da dies ja ein Vertrag von einem Mustervertrag stammt.

Zu den Gewährleistung beim Bauen: der knackpunkt ist häufig das du ja ne abnahme unterschreibst. Da bestätigtst du das das Werkstück die gewünschte Güte hat. Offensichtliche Mängel (Kratzer in der Tür, Fehler in der Scheibe usw.) sollten bis dahin benannt und kommunziert sein ansonsten wirds dann schwierig. Verdecke Mängel (Pressung der Leitung fehlerhaft) oder solche die du nicht erkennen kannst (Fehler in der Statischen Berechnung) sind davon aber nicht betroffen.

Stefffilicious
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Stefffilicious » Mi 28. Feb 2018, 13:54

MarkL. hat geschrieben:
Mi 28. Feb 2018, 13:36
Verdecke Mängel (Pressung der Leitung fehlerhaft) oder solche die du nicht erkennen kannst (Fehler in der Statischen Berechnung) sind davon aber nicht betroffen.
Greift für so was nicht in der Regel dann die Betriebshaftpflicht der einzelnen Gewerke....?

Dass so was i.d.R. niemand absichtlich macht ist ja klar, wenn ich das Handy meiner Freundin versehentlich runterschmeiße ists ja prinzipiell nix anderes und meine Privathaftflicht bezahlt das auch...

Das mit dem Anwalt würden wir machen wenn uns nicht die Zeit so im Nacken sitzen würde wegen der Preiserhöhung :roll:

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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Stefffilicious » Mi 28. Feb 2018, 14:08

UPDATE:

Habe gerade eine Rückmeldung von FH bekommtn, die Verträge gelten NICHT nach VOB, sondern nach BGB.
Damit hat der Bauherr die höchste Sicherheit auf seiner Seite.

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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Fromschi » Mi 28. Feb 2018, 14:41

Gut, VOB gilt ja wirklich nur für Bauaufträge der öffentlichen Hand. Wir sind ja alles Privatleute hier :)
Zuletzt geändert von BigNose82 am Mi 28. Feb 2018, 14:47, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Überflüssiges Zitat entfernt

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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Friedel » Mi 28. Feb 2018, 14:42

Ne kannst auch für deinen privaten Bau vereinbaren, dass die VOB gilt.
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09/16 - Vorbehaltausräumung
11/16 - Planungsgespräch
01/17 - Vorabzüge
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06/17 - Ausführungspläne
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11/17 - Abnahme

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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Friedel » Mi 28. Feb 2018, 15:02

Einen Anspruch auf Gewährleistung hast du immer nur gegen deinen Vertragspartner, also FH. Ob das am Ende dann irgendeine Versicherung des Subunternehmers oder FH zahlt kann dir egal sein.

Da du als Verbraucher agiert kann FH von den Regelungen des BGB auch nicht zu deinem Nachteil abweichen. Tun sie mit der vertraglichen Formulierung aber auch nicht.
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Stefffilicious » Mi 28. Feb 2018, 15:13

Das war mir halt vorher so nicht klar. Man kauft ja in diesem Fall auch nicht nur ein paar Schuhe, da grübelt man vermutlich einfach mal etwas mehr.

Jetzt bin ich schlauer.
Vielen Dank!

Shadow85
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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Shadow85 » Do 8. Mär 2018, 08:13

Wir haben den Werksvertrag auch von einem Anwalt prüfen lassen. Es gab dabei nichts wesentliches zu beanstanden.

Btw:
Bevor wir bei FingerHaus landeten, waren wir kurz davor ein Haus von der DFH Gruppe bauen zu lassen. Da hat uns der Anwalt aber den Werksvertrag um die Ohren gehauen - daher haben wir auch seitdem deutlich Abstand von diesen Firmen genommen.

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Re: Frage zum Werkvertrag - Gewährleistung

Beitrag von Fromschi » Do 8. Mär 2018, 10:06

Oh danke für den Hinweis :) Wir hatten zwar NIE vor mit der DFH Gruppe zu bauen, aber allein der Hinweis dass der FH-Vertrag in Ordnung ist, hilft schon viel weiter.
Zuletzt geändert von BigNose82 am Do 8. Mär 2018, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Überflüssiges Zitat entfernt

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